Zum Inhalt springen
fernglas-check.de

Grundlagen & Optik Redaktion fernglas-check.de · Stand

Grundlagen der Fernglas-Optik: Kennzahlen, Licht und Aufbau

Inhalt 6 Abschnitte

Ein Fernglas funktioniert durch Linsen und Prismen: Das Objektiv bündelt das Licht und erzeugt ein Bild, die Prismen richten es auf, und das Okular vergrößert es für das Auge. Wer die Kennzahlen auf dem Gehäuse lesen kann, versteht, was ein Glas leistet und für welchen Einsatz es taugt.

Vergrößerung und Objektivdurchmesser

Jedes Fernglas trägt zwei Zahlen, getrennt durch ein „x". Die erste nennt die Vergrößerung, die zweite den Durchmesser des Objektivs in Millimetern. Ein 8x42 vergrößert achtfach und hat Objektive mit 42 mm Durchmesser. Beide Werte wirken zusammen.

Was eine höhere Vergrößerung kostet

Mehr Vergrößerung klingt zunächst immer besser, ist aber ein Trugschluss. Ein 10x zeigt mehr Details als ein 8x, etwa Gefieder in größerer Entfernung. Dafür schrumpft das Sehfeld, das Handzittern wird stärker übertragen, und die Austrittspupille wird kleiner. Wie Vergrößerung und Brennweite optisch zusammenhängen, erklärt ein eigener Beitrag. Freihändig lässt sich ein Bild bis etwa 10-fach ruhig halten, bei 12-fach oder mehr hilft ein Stativ.

Der Objektivdurchmesser bestimmt, wie viel Licht das Glas einsammelt. Die Lichtmenge wächst mit der Fläche, also mit dem Quadrat des Durchmessers. Ein 50-mm-Objektiv sammelt gegenüber einem 40-mm-Objektiv nicht 25 %, sondern rund 56 % mehr Licht: (50 : 40)² = 1,5625. Wer ein 10x50-Fernglas wählt, setzt auf diese Lichtreserve bei wenig Licht.

Die Austrittspupille verbindet beide Werte

Aus Vergrößerung und Objektivdurchmesser ergibt sich die Austrittspupille: Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung. Ein 8x42 hat 42 : 8 = 5,25 mm, ein 10x42 nur 4,2 mm. Sie ist der helle Lichtkreis, den das Okular verlässt. Die Pupille des Auges ist bei Tageslicht klein, etwa 2 bis 3 mm, und öffnet sich im Dunkeln bei jungen Menschen auf bis zu etwa 7 mm. Mit zunehmendem Alter bleibt sie meist kleiner. Wer vor allem bei Tag beobachtet, braucht keine große Austrittspupille. Ein Kompaktglas wie das Fernglas 10x25 hat nur 2,5 mm. Das genügt bei Sonne, reicht aber in der Dämmerung nicht.

Wer die verschiedenen Fernglas-Einheiten kennt, kann Datenblätter verschiedener Hersteller direkt vergleichen.

  • Tageslicht, Stadt, Reise: Kompaktformate wie 8x25 bis 10x32, leicht und ausreichend hell.
  • Universalglas für Natur und Reise: 8x42 oder 10x42, ein guter Kompromiss aus Licht und Handlichkeit.
  • Dämmerung und Astronomie: 7x50 oder 10x50, mehr Lichtausbeute, höheres Gewicht.
  • Starke Vergrößerung: 12x50 oder mehr, nur mit Stativ sinnvoll.

Licht im Fernglas: Lichtstärke und Dämmerungszahl

Bei Dämmerung, Nachtvogelzug oder bewölktem Himmel sagen die Zahlen auf dem Papier nur bedingt etwas über das Bild. Drei Größen helfen bei der Einschätzung: die Austrittspupille, die relative Lichtstärke und die Dämmerungszahl.

Austrittspupille bei wenig Licht

Eine Austrittspupille von 3 bis 4 mm genügt bei hellem Licht. In der Dämmerung sind Werte ab etwa 5 mm sinnvoll, bei Nacht bis etwa 7 mm. Das klassische Format 7x50 hat 50 : 7 ≈ 7,1 mm und wurde für Beobachtungen bei wenig Licht entwickelt. Es nutzt aber nur dann seine volle Leistung, wenn das Auge sich weit genug öffnet. Wie stark der Objektivdurchmesser die Lichtaufnahme beeinflusst, zeigt sich in der Dämmerung am deutlichsten.

Zwei Kennzahlen, zwei Aussagen

Die relative Lichtstärke ist das Quadrat der Austrittspupille. Ein 8x42 kommt so auf 5,25² ≈ 27,6, ein 7x50 auf etwa 51. Warum diese Kennzahl nur ein Teil der Geschichte ist, wird klar, wenn man bedenkt, dass sie nur die geometrische Lichtmenge beschreibt. Vergütung und Glasqualität bleiben dabei außen vor.

Die Dämmerungszahl ist die Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser. Ein 8x56 erreicht √448 ≈ 21,2, ein 8x42 √336 ≈ 18,3. Sie berücksichtigt auch die Vergrößerung, die Details erst erkennbar macht. Mehr dazu liefert der Beitrag zur Dämmerungszahl.

Hinzu kommt der Komfort beim Einblick: Das Einblickverhalten entscheidet mit darüber, ob das Licht auch wirklich beim Auge ankommt. Passt der Augenpunktabstand (Eye Relief) nicht oder ist der Abstand zwischen Okular und Auge für Brillenträger zu kurz, geht Bildfläche verloren.

Kennzahlen im Überblick

Kennzahl Berechnung Aussage
Austrittspupille Objektivdurchmesser : Vergrößerung Größe des Lichtkreises am Okular
Relative Lichtstärke Austrittspupille im Quadrat Geometrische Helligkeit des Bildes
Dämmerungszahl Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser Erkennbarkeit von Details bei wenig Licht
Sehfeld Angabe in m auf 1.000 m oder in Grad Sichtbarer Ausschnitt, nimmt mit der Vergrößerung ab

Innenleben: Prismen, Okular und Strahlengang

Das Objektiv erzeugt ein umgekehrtes, seitenverkehrtes Bild. Das Prismensystem richtet es wieder auf und faltet den Strahlengang, sodass das Gehäuse kurz bleibt. Wie die einzelnen Baugruppen zusammenwirken, bestimmt den Bildeindruck.

Porro oder Dachkant

Porroprismen bestehen aus zwei rechtwinkligen Prismen, die versetzt angeordnet sind. Das erkennen Sie an der Z-förmigen Bauform des Gehäuses. Weil die Objektive weiter auseinanderliegen als die Okulare, verstärkt sich der Raumeindruck.

Dachkantprismen, etwa nach Schmidt-Pechan oder Abbe-König, erlauben ein gerades, schlankes Gehäuse, in dem Objektiv- und Okularachse auf einer Linie liegen. Der Strahlengang wird an der Dachkante aufgespalten. Ohne eine Phasenkorrekturbeschichtung kostet das Kontrast. Ein Fernglas-Querschnitt zeigt, wie kompakt der gefaltete Strahlengang ausfällt.

Das Okular als Schnittstelle zum Auge

Das Okular ist ein Linsensystem, das Sehfeld, Randschärfe und Augenpunktabstand mitbestimmt. Das wahre Sehfeld ergibt sich näherungsweise aus dem scheinbaren Gesichtsfeld des Okulars geteilt durch die Vergrößerung: Bei 65 Grad scheinbarem Gesichtsfeld und 8-facher Vergrößerung sind es etwa 8,1 Grad. Zur Orientierung: 1 Grad entspricht rund 17,5 m auf 1.000 m. Die verschiedenen Okularbauarten unterscheiden sich im Sehfeld und im Komfort für Brillenträger.

Brillenträger brauchen einen ausreichend großen Abstand zwischen Okular und Auge sowie Augenmuscheln, die sich drehen oder einstellen lassen. Einfache Okulare zeigen am Bildrand oft Unschärfe und Verzerrung, die vor allem beim Schwenken stört.

Vergütung gegen Lichtverlust

An jeder Glasfläche geht ein Teil des Lichts durch Reflexion verloren. Bei vielen Flächen summiert sich das zu einem deutlich dunkleren und kontrastärmeren Bild. Mehrschichtvergütungen verringern die Verluste und steigern die Helligkeit. Hochwertiges Glas wie ED-Glas mindert zusätzlich Farbsäume.

Kurz gesagt

  • Die Austrittspupille (Objektiv : Vergrößerung) zeigt die Lichtreserve, die Dämmerungszahl (Wurzel aus Vergrößerung mal Objektiv) die Detailleistung bei wenig Licht.
  • Mehr Vergrößerung bringt mehr Detail, aber kleineres Sehfeld und mehr Verwackeln. Freihändig ist etwa 10-fach die Grenze.
  • Porro und Dachkant unterscheiden sich in Bauform und Anspruch an die Beschichtung. Vergütung und Glasqualität entscheiden über Helligkeit und Kontrast.

Häufige Fragen zu den Grundlagen der Fernglas-Optik

Was bedeutet die Angabe 8x42?

Die erste Zahl nennt die Vergrößerung, hier achtfach. Die zweite Zahl ist der Objektivdurchmesser in Millimetern, hier 42 mm. Daraus ergibt sich eine Austrittspupille von 42 : 8 = 5,25 mm.

Was ist die Austrittspupille und warum ist sie wichtig?

Die Austrittspupille ist der Durchmesser des Lichtkreises, der das Okular verlässt. Sie ergibt sich aus Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung. Je größer sie ist, desto mehr Lichtreserve hat das Glas bei wenig Licht, sofern sich die Pupille des Auges ausreichend weit öffnet.

Wie beeinflusst der Objektivdurchmesser die Leistung eines Fernglases?

Der Objektivdurchmesser bestimmt, wie viel Licht das Glas sammelt. Die Lichtmenge wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Das ist vor allem bei wenig Licht wichtig, kostet aber Gewicht und Größe.

Was unterscheidet Porro- und Dachkantprismen?

Porroprismen sind versetzt angeordnet, das Gehäuse hat eine Z-förmige Bauform. Dachkantprismen liegen auf einer Linie und ermöglichen ein gerades, schlankes Gehäuse. Dachkantgläser benötigen eine Phasenkorrekturbeschichtung, damit der Kontrast nicht leidet.

Wie berechnet sich die Dämmerungszahl?

Die Dämmerungszahl ist die Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser. Ein 8x42 ergibt √336, also etwa 18,3. Je höher der Wert, desto besser lassen sich Details in der Dämmerung erkennen.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu

Mehr aus Grundlagen & Optik