Zum Inhalt springen
fernglas-check.de

Grundlagen & Optik Redaktion fernglas-check.de · Stand

Jägersprache und Fernglas: was hinter den Begriffen steckt

Inhalt 13 Abschnitte

Jägersprache und Ferngläser: eine Einführung

Die Jägersprache, auch Weidmannssprache genannt, ist eine über Jahrhunderte gewachsene Fachsprache. Sie benennt Tiere, ihr Verhalten und ihre Körperteile mit eigenen Wörtern. Viele davon haben mit dem Sehen und Beobachten zu tun. Das Fernglas hat darin einen festen Platz, denn das genaue Beobachten des Wildes gehört zu den Grundlagen der Jagd.

Dieser Beitrag erklärt die Begriffe, die mit dem Beobachten durch das Fernglas zusammenhängen. Sie sind auch für Naturfreunde nützlich, die Wildtiere betrachten, Revierbeschreibungen lesen oder sich mit Jägern unterhalten. Die technische Seite kommt dazu: Was meint ein Jäger, wenn er von einem lichtstarken Glas spricht, und was sagen die Zahlen auf dem Gehäuse?

Wichtige Begriffe der Jägersprache rund ums Beobachten

  • Glas: Das Fernglas. Jäger sagen selten Fernglas, sondern „das Glas“. Wer „ein gutes Glas führt“, hat ein hochwertiges Fernglas dabei.
  • Abglasen, ableuchten: Eine Fläche, einen Waldrand oder einen Hang systematisch mit dem Fernglas absuchen.
  • Ansprechen: Ein Tier nach Art, Geschlecht, Alter und körperlicher Verfassung bestimmen. Das Ansprechen geschieht mit dem Fernglas und verlangt Zeit, Licht und ein ruhiges Bild.
  • Anblick: Wild sehen. „Guten Anblick“ wünscht man sich vor dem Reviergang.
  • Ansitz: Das stille Warten an einem festen Platz, oft auf einem Hochsitz, meist in der Morgen- oder Abenddämmerung.
  • Pirsch: Das langsame, leise Gehen durch das Revier, um Wild zu beobachten.
  • Äsen: Das Fressen von Pflanzen fressendem Wild. Die Nahrung heißt Äsung.
  • Austreten: Wild verlässt die Deckung und betritt eine freie Fläche.
  • Sichern: Das Tier hebt den Kopf und prüft aufmerksam die Umgebung.
  • Verhoffen: Das Tier bleibt in der Bewegung stehen und sichert.
  • Ziehen: Ruhiges, zielgerichtetes Gehen. Das Gegenteil ist „flüchtig“, also in schneller Flucht.
  • Wechsel: Ein Pfad, den Wild regelmäßig benutzt.
  • Einstand: Der Bereich, in dem sich Wild tagsüber in Deckung aufhält.
  • Wind bekommen: Das Tier nimmt die Witterung eines Menschen auf.

Begriffe und ihr Bezug zum Fernglas im Überblick

BegriffBedeutungWas das für das Fernglas heißt
AbglasenGelände mit dem Glas absuchenEin breites Sehfeld und ein ruhiges Bild erleichtern die Suche
AnsprechenTier genau bestimmenSchärfe, Kontrast und genügend Helligkeit sind entscheidend
AnsitzWarten an festem Platz in der DämmerungGroße Austrittspupille, das Gewicht spielt eine geringere Rolle
PirschLeises Gehen durch das RevierLeichtes, handliches Glas, das schnell vor den Augen ist
Lichtstarkes GlasGlas für wenig LichtGroßes Objektiv bei maßvoller Vergrößerung

Die Bedeutung von „Feldstecher“ und „Fernglas“

Feldstecher und Fernglas bezeichnen dasselbe Gerät. Einen technischen Unterschied gibt es nicht. Die verbreitete Behauptung, der Feldstecher sei das robustere, eigens für die Jagd gebaute Glas, trifft nicht zu. „Feldstecher“ ist vor allem in der Schweiz und im Süden des deutschen Sprachraums das übliche Wort, „Fernglas“ das allgemeine.

Das eigentliche Wort der Jägersprache ist „Glas“. Davon leiten sich Zusammensetzungen ab, die den Einsatzzweck nennen:

  • Pirschglas: Ein leichteres Glas für unterwegs, etwa 8x30, 8x42 oder 10x42.
  • Ansitzglas, Dämmerungsglas: Ein Glas mit großem Objektiv für wenig Licht, klassisch 8x56.
  • Nachtglas: Ein besonders lichtstarkes, rein optisches Glas mit großer Austrittspupille. Gemeint ist kein elektronisches Nachtsichtgerät.
  • Jagdglas: Der Sammelbegriff für Ferngläser, die für diese Einsätze gedacht sind. Üblich sind eine robuste Armierung, Abdichtung und eine gute Vergütung.

Die typischen Vergrößerungen liegen zwischen 7- und 10-fach. Im Wald und in der Dämmerung ist die niedrigere Vergrößerung im Vorteil, weil das Sehfeld größer und die Austrittspupille bei gleichem Objektiv größer ist. In offenem Gelände und im Gebirge wird öfter 10-fach verwendet. Mehr dazu im Beitrag zur Fernglas-Vergrößerung für die Jagd.

Unterschiede zwischen Jägerlatein und Fachsprache

Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Die Jägersprache ist eine Fachsprache mit festen Bedeutungen. Sie dient der genauen Verständigung. Wer sagt, ein Stück Rehwild habe am Waldrand verhofft, beschreibt mit einem Wort einen Vorgang, für den die Alltagssprache einen halben Satz braucht.

Jägerlatein ist etwas anderes. So heißen die ausgeschmückten und übertriebenen Erzählungen von Erlebnissen im Revier, vergleichbar mit dem Seemannsgarn der Seeleute. Jägerlatein ist Unterhaltung und will nicht wörtlich genommen werden. Mit der Fachsprache hat es nur die Sprecher gemeinsam.

Für Leser von Ferngläser-Beschreibungen lohnt sich die Unterscheidung in übertragener Form. Auch in der Werbung gibt es Fachangaben und Ausschmückung. „8x56“ ist eine Fachangabe. „Kristallklare Sicht bis in die tiefste Nacht“ ist Jägerlatein.

Die Herkunft der Jägersprache im Zusammenhang mit Ferngläsern

Die Jägersprache ist als Standessprache entstanden. Sie verband die Berufsjäger untereinander und grenzte Kundige von Unkundigen ab. Ihr Kern ist viel älter als jedes optische Gerät. Die Wörter für Körperteile und Verhalten des Wildes stammen aus einer Zeit, in der ausschließlich mit bloßem Auge beobachtet wurde.

Mit dem Aufkommen handlicher Prismenferngläser kam das Gerät ins Revier, und die Sprache nahm es auf. „Glas“ stand zuvor schon für Fernrohr und Brille und ging auf das Fernglas über. Daraus entstand das Verb „abglasen“. Technische Begriffe wie Vergrößerung, Sehfeld oder Dämmerungszahl sind dagegen keine Jägersprache. Sie stammen aus der Optik und werden von Jägern ebenso benutzt wie von Vogelbeobachtern und Seeleuten.

Die Sprache verändert sich weiter. Mit neuen Geräten kommen neue Wörter hinzu, ältere geraten außer Gebrauch.

Beispiele für Fachbegriffe im Zusammenhang mit Ferngläsern

Die folgenden Begriffe stehen in jeder Beschreibung eines Jagdglases. Mit ihnen lässt sich übersetzen, was Jäger mit „lichtstark“ oder „dämmerungstauglich“ meinen.

  • Vergrößerung: Die erste Zahl der Bezeichnung. Bei 8-fach erscheint ein Tier in 160 m Entfernung so groß wie mit bloßem Auge aus 20 m.
  • Objektivdurchmesser: Die zweite Zahl, in Millimetern. Er bestimmt, wie viel Licht das Glas sammelt. Mehr dazu unter Objektivdurchmesser und Lichtaufnahme.
  • Austrittspupille: Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung. Sie ist der Durchmesser des Lichtbündels, das aus dem Okular tritt. Ein 8x56 hat 56 : 8 = 7,0 mm.
  • Dämmerungszahl: Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser. Für 8x56 ergibt sich 21,2. Der Wert ist ein Rechenmaß und sagt nichts über die Qualität der Optik. Einzelheiten im Beitrag zur Dämmerungszahl.
  • Sehfeld: Die Breite des Ausschnitts auf 1.000 m, in Metern oder Grad. Ein Grad entspricht etwa 17,5 m.
  • Vergütung: Dünne Schichten auf den Glasflächen, die Reflexionen mindern und das Bild heller und kontrastreicher machen.
  • Prismenbauart: Dachkantgläser sind schlank, Porrogläser breiter. Bei den Prismen gilt BaK-4-Glas als hochwertiger als BK-7.
  • Abdichtung: Die Schutzart wird nach IEC 60529 angegeben. IPX7 steht für zeitweiliges Untertauchen. Eine Füllung mit Stickstoff oder Argon verhindert Beschlag im Inneren.
  • Fokussierung: Meist ein Mitteltrieb für beide Seiten, dazu der Dioptrienausgleich an einem Okular.

Zum Vergleich der gängigen Kennzahlen:

KennzahlAustrittspupilleDämmerungszahlJägersprachliche Einordnung
8x303,75 mm15,5Leichtes Pirschglas für den Tag
8x425,25 mm18,3Allroundglas, auch für die frühe Dämmerung
10x424,2 mm20,5Glas für offenes Gelände und Gebirge
7x507,1 mm18,7Klassisches Nachtglas
8x567,0 mm21,2Ansitz- und Dämmerungsglas

Herausforderungen bei der Definition von Jägerbegriffen

Wer Begriffe der Jägersprache nachschlägt, stößt auf mehrere Schwierigkeiten.

  • Regionale Unterschiede: Manche Wörter werden von Landschaft zu Landschaft anders gebraucht oder sind nur in einem Teil des Sprachraums üblich.
  • Unterschiede je Wildart: Derselbe Körperteil heißt je nach Tierart anders. Die Augen sind beim Reh die Lichter, beim Hasen die Seher.
  • Keine verbindliche Norm: Jagdliche Wörterbücher und Lehrbücher stimmen im Kern überein, weichen in Einzelheiten aber voneinander ab.
  • Vermischung mit Werbesprache: Wörter wie „Jagdglas“ oder „Nachtglas“ sind keine geschützten Bezeichnungen. Was ein so benanntes Fernglas kann, zeigen erst die Kennzahlen.
  • Vermischung mit Technikbegriffen: „Lichtstärke“ wird im Gespräch mal für die Austrittspupille, mal für die Dämmerungszahl, mal für den allgemeinen Eindruck gebraucht. Fragen Sie im Zweifel nach der Zahl.

Jägersprache im Alltag

Viele Wendungen aus der Jägersprache sind in die Alltagssprache gewandert, ohne dass ihre Herkunft noch bewusst ist.

  • Durch die Lappen gehen: Bei bestimmten Jagdarten wurden früher Stofflappen an Leinen aufgehängt, um das Wild in eine Richtung zu lenken. Brach ein Tier trotzdem aus, ging es durch die Lappen. Heute meint die Wendung, dass etwas entwischt.
  • Wind von etwas bekommen: Von einer Sache erfahren, die verborgen bleiben sollte. Das Bild stammt vom Wild, das die Witterung aufnimmt.
  • Auf der Pirsch sein: Aufmerksam auf der Suche sein.
  • Jemandem ins Gehege kommen: In den Bereich eines anderen eindringen.
  • Weidmannsheil und Weidmannsdank: Gruß und Antwort unter Jägern.

Für Spaziergänger und Naturbeobachter ist die Fachsprache auch praktisch. Wer weiß, was Einstand, Wechsel und Äsungsfläche bedeuten, versteht Hinweise von Jägern und Förstern und findet leichter die Stellen, an denen sich Wild beobachten lässt, ohne es zu stören.

Die Rolle von Ferngläsern beim Beobachten im Revier

Das Fernglas ist das wichtigste Beobachtungsgerät im Revier. Es dient drei Aufgaben.

  • Finden: Beim Abglasen wird das Gelände Stück für Stück abgesucht. Dabei helfen ein großes Sehfeld und eine Vergrößerung, die sich lange ruhig halten lässt.
  • Ansprechen: Ist ein Tier gefunden, wird es genau betrachtet. Art, Geschlecht, ungefähres Alter und körperliche Verfassung lassen sich an Körperbau, Kopfform, Decke und Verhalten ablesen. Dafür braucht es Schärfe und Kontrast.
  • Beobachten über die Zeit: Wer regelmäßig dieselben Flächen betrachtet, lernt, welche Tiere wann und wo austreten, und erkennt Veränderungen im Bestand.

Weil Wild vor allem in der Dämmerung aktiv ist, spielt die Austrittspupille eine große Rolle. Die Pupille des menschlichen Auges öffnet sich bei wenig Licht bis auf etwa 7 mm, im Alter meist weniger. Ein 8x56 nutzt diese Öffnung aus. Ein 10x42 mit 4,2 mm liefert in der späten Dämmerung ein dunkleres Bild. Auf dem Ansitz, wo das Gewicht kaum stört, ist deshalb das große Glas üblich. Auf der Pirsch am Tag genügt ein leichteres.

Freihändig ruhig halten lässt sich ein Fernglas etwa bis 10-fach. Beim Ansprechen auf größere Entfernung hilft es, die Ellbogen aufzulegen oder das Glas an einem Pfosten abzustützen.

Wichtige Jagdbegriffe und ihre Bedeutung für Fernglasnutzer

Beim Blick durch das Glas begegnen Ihnen die jägersprachlichen Namen der Körperteile. Sie stehen in Bestimmungsbüchern und in Gesprächen mit Jägern.

  • Schalenwild: Die Paarhufer unter den Wildtieren, etwa Reh-, Rot-, Dam-, Gams- und Schwarzwild. Schalen heißen die Hufe.
  • Stück: Ein einzelnes Tier, etwa ein Stück Rehwild.
  • Lichter: Die Augen des Schalenwildes.
  • Seher: Die Augen bei Hase und Fuchs.
  • Lauscher: Die Ohren des Schalenwildes. Beim Hasen heißen sie Löffel.
  • Äser: Das Maul von Reh, Hirsch und Gams.
  • Windfang: Die Nase dieser Tiere.
  • Haupt: Der Kopf.
  • Träger: Der Hals.
  • Decke: Das Fell von Reh, Hirsch und Gams. Beim Wildschwein heißt es Schwarte.
  • Spiegel: Der helle Fleck am Hinterteil von Reh und Hirsch. Er ist durch das Fernglas oft das Erste, was man von einem abgewandten Tier sieht.
  • Gehörn, Geweih: Der Kopfschmuck des Rehbocks und des Hirsches.
  • Lunte und Blume: Der Schwanz des Fuchses und der Schwanz des Hasen.

Hinzu kommen Wörter für Gruppen. Mehrere Stücke Rot- oder Damwild bilden ein Rudel, Rehe im Winter einen Sprung, Wildschweine eine Rotte. Wer ein Rudel abglast, zählt zuerst die Stücke und betrachtet sie dann einzeln. Dafür ist ein Glas mit großem Sehfeld angenehm, weil die ganze Gruppe im Bild bleibt.

Für das Beobachten bedeutet das: Wer ein Tier ansprechen will, achtet nacheinander auf Haupt, Träger, Körperbau, Decke und Verhalten. Je feiner die Merkmale, desto mehr kommt es auf die Güte der Optik an und desto weniger auf eine hohe Vergrößerung.

Kurz gesagt

  • „Glas“ ist das jägersprachliche Wort für Fernglas, „abglasen“ das Absuchen des Geländes, „ansprechen“ das genaue Bestimmen eines Tieres.
  • Feldstecher und Fernglas sind dasselbe. Pirschglas, Ansitzglas und Nachtglas benennen den Einsatz, nicht eine eigene Bauart.
  • Für die Dämmerung zählt die Austrittspupille: Ein 8x56 hat 7,0 mm, ein 8x42 hat 5,25 mm.
  • Jägerlatein ist Erzählkunst, Jägersprache ist Fachsprache.

Häufige Fragen zur Jägersprache und zu Ferngläsern

Was ist der Unterschied zwischen einem Feldstecher und einem Fernglas?

Es gibt keinen technischen Unterschied. Beide Wörter bezeichnen dasselbe Gerät. In der Jägersprache heißt das Fernglas meist einfach das Glas.

Was bedeutet „abglasen“?

Abglasen heißt, eine Fläche, einen Waldrand oder einen Hang systematisch mit dem Fernglas abzusuchen. Ein breites Sehfeld und ein ruhiges Bild erleichtern das.

Was bedeutet „ansprechen“ in der Jägersprache?

Ansprechen ist das genaue Bestimmen eines Tieres nach Art, Geschlecht, Alter und körperlicher Verfassung. Es geschieht mit dem Fernglas und braucht Schärfe, Kontrast und genügend Licht.

Was versteht man unter der Austrittspupille?

Die Austrittspupille ist der Durchmesser des Lichtbündels am Okular. Sie ergibt sich aus Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung. Ein 8x56 hat 7,0 mm und eignet sich damit für die Dämmerung.

Was ist ein Nachtglas?

Ein Nachtglas ist ein lichtstarkes, rein optisches Fernglas mit großer Austrittspupille, etwa 7x50 oder 8x56. Ein elektronisches Nachtsichtgerät ist damit nicht gemeint.

Was ist der Unterschied zwischen Jägersprache und Jägerlatein?

Die Jägersprache ist eine Fachsprache mit festen Bedeutungen. Jägerlatein nennt man die ausgeschmückten, übertriebenen Erzählungen von Erlebnissen im Revier.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu

Mehr aus Grundlagen & Optik