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Grundlagen & Optik Redaktion fernglas-check.de · Stand

Fernglas UdSSR: Geschichte, Merkmale und Hinweise für Sammler

Inhalt 12 Abschnitte

Optik in der Sowjetunion: ein kurzer Überblick

In der Sowjetunion war die Optikindustrie staatlich organisiert und bediente zwei Abnehmer: das Militär und den zivilen Markt. Fernglasproduktion fand in mehreren Werken statt, zu den bekanntesten Namen zählen KMZ in Krasnogorsk und BelOMO in Minsk.

Ferngläser dienten dem Militär zur Beobachtung, in der Seefahrt zur Navigation und im zivilen Bereich der Naturbeobachtung, der Jagd auf Beobachtungsbasis und der Astronomie. Ein Teil der Gläser, die heute unter dem Sammelbegriff „UdSSR-Fernglas“ im Umlauf sind, dürfte aus militärischer Fertigung stammen; sie tauchen auf Flohmärkten, in Sammlungen und im Gebrauchthandel auf. Genaue Produktionszahlen und Baujahre sind für viele Modelle schlecht belegt; seien Sie bei Angaben von Verkäufern vorsichtig.

Typische Bauformen und Größen

Die gängigen Größen lassen sich mit den bekannten Kennzahlen gut einordnen. Die Austrittspupille ergibt sich aus Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung, die Dämmerungszahl aus der Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser.

  • 7x50: Austrittspupille 50 : 7 = rund 7,1 mm, Dämmerungszahl etwa 18,7. Das Glas gilt klassisch als Dämmerungs- und Seeglas. Die große Austrittspupille erleichtert das Beobachten bei schwachem Licht, dafür ist das Glas groß und schwer.
  • 8x30: Austrittspupille 3,75 mm, Dämmerungszahl etwa 15,5. Handlich und leicht genug für Wanderungen, bei Dämmerung aber nicht so hell wie größere Objektive.
  • 10x50: Austrittspupille 5 mm, Dämmerungszahl etwa 22,4. Mehr Vergrößerung und viel Licht; freihändig bei längerem Beobachten anstrengend und für ruhiges Bild besser aufgestützt.
  • Operngläser: Kleine, flache Gläser mit geringer Vergrößerung für Theater und Konzert.

Viele ältere Gläser verwenden die Porro-Bauweise mit versetzten Rohren, bei der das Bild durch zwei Prismen umgelenkt wird. Das ergibt ein plastisches Bild und eine meist größere Bautiefe. Welche Bauart ein Glas hat, erkennen Sie an der Form: Porro-Gläser haben abgesetzte Objektivrohre, Dachkantgläser verlaufen gerade.

Was an älteren Gläsern auffällt

Alte Sowjetgläser sind häufig massiv gebaut, mit Metallgehäuse und oft schwerem Gewicht. Das macht sie robust, aber unhandlich. Die Vergütung der Linsen schimmert je nach Beschichtung in verschiedenen Farbtönen, und die Qualität schwankt von Werk zu Werk und von Serie zu Serie. Wer ein Glas kauft, sollte es als Einzelstück beurteilen, nicht nach dem Ruf der Herkunft.

Gegenüber modernen Gläsern fehlen oft Merkmale, die heute selbstverständlich sind: Füllgas gegen Beschlag, mehrschichtvergütete Flächen, drehbare Augenmuscheln für Brillenträger oder eine genaue Schutzart nach IEC 60529. Auch der Dioptrienausgleich und das Sehfeld können einfacher ausfallen. Für einen bestimmten Einsatz, etwa lange Wanderungen mit Brille, kann ein neues Glas die bessere Wahl sein.

Porro-Prisma und Glasarten kurz erklärt

Ein Fernglas muss das auf dem Kopf stehende Bild der Objektivlinse wieder aufrichten. Das erledigen Prismen. Beim Porro-Prinzip lenken zwei Prismen den Strahl zweimal um und versetzen ihn seitlich, daher die typische Form mit abgesetzten Rohren. Beim Dachkantprisma verläuft der Strahl dagegen fast gerade. Beide Bauarten können gute Bilder liefern.

Als Prismenglas kommt häufig BaK-4 oder BK-7 zum Einsatz. BaK-4 ist dichter und führt meist zu einem runden, gleichmäßig hellen Bild, bei BK-7 zeigt sich oft eine eckige Austrittspupille mit dunkleren Rändern. Ob ein altes Glas die eine oder andere Sorte trägt, steht nicht immer auf dem Gehäuse. Ein einfacher Test: Halten Sie das Glas mit den Okularen vor ein helles Fenster und betrachten Sie die Austrittspupillen in einigem Abstand. Runde Scheiben sprechen für BaK-4, abgeschnittene Ecken für BK-7.

Für welchen Zweck sich welches Glas heute lohnt

Ein alter Klassiker eignet sich als Zweitglas für bestimmte Aufgaben. Ein 7x50 passt zum ruhigen Beobachten in der Dämmerung oder auf einem Boot, ein 10x50 zum Blick auf Mond und Sternbilder. Für unterwegs, wo Gewicht zählt, ist ein kleineres Glas wie ein 8x30 praktischer. Wer täglich im Gelände beobachtet, Vögel bestimmt oder mit Brille arbeitet, findet bei neuen Gläsern in der Regel die bequemere Lösung, weil Gewicht, Beschlagschutz und Augenpunktabstand (Eye Relief) heute besser abgestimmt sind.

Setzen Sie keine Erwartungen an ein altes Glas, die es nicht erfüllen kann. Ein einfach vergütetes 50-mm-Glas liefert bei Tageslicht ein gutes Bild, kann bei Gegenlicht aber mit Reflexen kämpfen. Das ist keine Fehlfunktion, sondern ein Merkmal der Technik. Wer das weiß, vermeidet Enttäuschungen und kann den Reiz eines historischen Glases unbefangener genießen.

Vor- und Nachteile älterer Gläser

VorteileNachteile
Oft solide Bauweise mit MetallgehäuseSchwer und unhandlich im Vergleich zu modernen Gläsern
Interessante Technikgeschichte, Reiz für SammlerDichtungen und Schmierung können nach Jahrzehnten gealtert sein
Große Objektive, zum Teil mit großer AustrittspupilleVergütung meist einfacher als bei heutigen Gläsern
Als Zweitglas für Dämmerung oder Himmel einsetzbarErsatzteile und Fachwerkstätten schwer zu finden

Erkennen und einordnen

Wer ein Glas bestimmen möchte, beginnt bei den Gravuren. Hersteller, Modellbezeichnung und Seriennummer stehen oft auf der Brücke oder an den Rohren, manchmal in kyrillischer Schrift. Ein Stempel mit Werkskennung kann helfen, die Herkunft einzugrenzen, belegt aber nicht automatisch das Baujahr. Gleiche Zeichen können bei verschiedenen Serien vorkommen.

Notieren Sie außerdem Vergrößerung und Objektivdurchmesser. Sie stehen meist auf dem Gehäuse und erlauben es, Austrittspupille und Dämmerungszahl selbst zu berechnen. Prüfen Sie das Gehäuse auf Material und Verarbeitung, die Linsen auf Vergütungsschimmer und Kratzer. Fotografieren Sie alle Gravuren, bevor Sie nach Vergleichsstücken suchen: Archive von Sammlern, Fachbücher und Hersteller-Websites sind verlässlicher als Anzeigen.

Zubehör wie ursprüngliche Tasche, Gurt und Schutzkappen gehört zum Gesamteindruck und kann für Sammler von Bedeutung sein. Welchen Marktwert ein Stück hat, hängt von Zustand und Nachfrage ab; belastbare Angaben ohne Quelle gibt es hier nicht.

Zustand prüfen, bevor Sie nutzen

Ob ein altes Glas noch zum Beobachten taugt, zeigt ein kurzer Praxistest.

  • Doppelbilder: Sehen Sie beide Rohre zu einem Bild zusammen, ohne dass es schmerzt? Doppelbilder oder Kopfschmerzen deuten auf eine verstellte Optik hin.
  • Linsen: Halten Sie das Glas gegen das Licht und blicken Sie durch Okular und Objektiv. Pilzbefall zeigt sich als Fäden oder Flecken, Kratzer als feine Linien.
  • Fokus und Dioptrie: Dreht sich die Fokussierung gleichmäßig und ohne Haken? Lässt sich der Dioptrienausgleich verstellen?
  • Dichtheit: Beschlag im Inneren oder Wassertropfen sind ein Zeichen für eine schadhafte Abdichtung.
  • Schärfe: Betrachten Sie eine feine Struktur in der Ferne. Wird sie nicht scharf, liegt es an der Optik oder an einem schwergängigen Trieb.

Eine Justage oder Reinigung im Inneren gehört in eine Fachwerkstatt. Öffnen Sie das Gehäuse nicht selbst, denn verstellte Prismen lassen sich zu Hause kaum zurücksetzen.

Pflege älterer Ferngläser

Alte Gläser vertragen wenig Feuchtigkeit und grobe Reinigung. Entfernen Sie Staub mit einem Blasebalg oder weichen Pinsel, wischen Sie Linsen nur mit einem sauberen Mikrofasertuch und bei Bedarf mit Reinigungsmittel für Optik. Lagern Sie das Glas trocken und kühl, am besten in einer Tasche mit aufgesetzten Schutzkappen. Wer es lange nicht benutzt hat, sollte es vor dem Einsatz mehrfach durchfokussieren, damit sich das Fett im Trieb gleichmäßig verteilt.

Verwenden Sie keine Haushaltsöle am Fokustrieb. Sie dringen ins Innere und können Linsen beschlagen. Für den Austausch von Schmiermitteln und Dichtungen ist die Werkstatt zuständig.

Einsatz heute und Sicherheit bei Himmelsbeobachtung

Große Gläser wie 7x50 und 10x50 eignen sich für Sternenhimmel, Mond und Milchstraße, aufgestützt oder auf einem Stativ. Für ein ruhiges Bild über etwa 10-facher Vergrößerung ist ohnehin eine Auflage nötig. Bedenken Sie aber das Gewicht: Ein schweres Glas ermüdet die Arme schneller, als man erwartet.

Wichtig: Sehen Sie nie mit einem Fernglas in die Sonne. Das kann das Auge dauerhaft schädigen, auch bei kurzem Blick. Das gilt für alte wie für neue Gläser.

Kurz gesagt

  • Sowjetische Ferngläser stammen vor allem aus Werken wie KMZ und BelOMO und kamen häufig aus Militärbeständen in den Handel.
  • 7x50 und 10x50 liefern große Austrittspupillen, 8x30 ist handlicher.
  • Prüfen Sie Doppelbilder, Pilzbefall, Fokus und Dichtheit vor der Nutzung.
  • Reparaturen und Reinigung im Inneren gehören in eine Fachwerkstatt.

Fragen zu sowjetischen Ferngläsern

Wer stellte Ferngläser in der Sowjetunion her?

Zu den bekannten Werken zählen KMZ in Krasnogorsk und BelOMO in Minsk. Viele Gläser stammen aus militärischer Fertigung und wurden später auch zivil genutzt.

Welche Größen sind verbreitet?

Häufig sind 7x50, 8x30 und 10x50. Die große Austrittspupille eines 7x50 beträgt rund 7,1 mm, bei einem 10x50 sind es 5 mm.

Wie erkenne ich Schäden an einem alten Glas?

Doppelbilder, Pilzfäden auf den Linsen, ein schwergängiger Fokus und Beschlag im Inneren sind typische Anzeichen. Eine Reinigung im Inneren gehört in eine Fachwerkstatt.

Eignet sich ein altes Glas für die Astronomie?

Große Objektive sammeln viel Licht, aber das Gewicht ist hoch. Ein Stativ oder eine Auflage hilft. Nie mit dem Fernglas in die Sonne sehen.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu

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